Im HiFi-Forum finden sich hunderte von postings zu sogenannten "Tuningmaßnahmen" für den DYNAVOX VR70 E, die einhergehen mit teils tiefgreifenden Veränderungen bis hin zu Empfehlungen zu völlig ungeeigneten Röhrenbestückungen.
Ich möchte gleich vorwegschicken, dass ich vor derartigen Maßnahmen nur warnen kann; - im Gerät finden sich Spannungen von bis zu 450V (!!!), die bei Kontakt zu tödlichen Stromschlägen führen können. Es ist nicht damit getan, das Gerät auszuschalten und vom Netz zu nehmen. Hochkapazitive Kondensatoren halten durchaus gefährliche Spannungen noch geraume Zeit auf Abruf, beispielsweise Berührung "bereit". Wer nicht genau weiss, was er tut, sollte lieber die Finger davon lassen. Es geht auch anders; lesen Sie einfach weiter.
Wer sich ein wenig mit Röhrenverstärkern beschäftigt, erkennt schnell, dass durch Veränderungen der Ruheströme und Tausch der Endröhren gegen andere (kompatible) Röhren ein hörbarer Klangunterschied erzielbar ist. Dies weckt natürlich den Spieltrieb im Manne.
Im Forum wird dem VR70E mitunter eine Schwäche bei der Reproduktion tiefer und tiefster Frequenzen nachgesagt. Wenn sich aber noch Empfehlungen zur Verwendung von "geeigneten" Regallautsprechern (!!!) hinzu gesellen, wird hierdurch nachhaltig für den Fortbestand der Bass-Schwäche gesorgt.
Abhilfe zur "Bass-Schwäche" schaffen sogenannte "Wunderröhren", die weit ausserhalb Ihrer Spezifikation mit einer um 200V (!!!) erhöhten Anodenspannung betrieben werden und einen begeisternden Klang abliefern sollen. Nachzulesen ebenfalls im HiFi-Forum. Ich werde den genauen Röhrentyp hier nicht nennen, da ich nicht für gesundheitliche Schäden durch berstende Glaskolben direkt vor (bzw. in das) Auge des begeisterten "Röhren-Junkies" verantwortlich sein möchte. Mittlerweile finden sich im Forum glücklicherweise dort auch Warnungen vor dem Einsatz dieser Röhren.
Dann finden sich Aussagen zu einer sog. Schwäche bei der Reproduktion hoher und höchster Töne. Diese Schwäche haben meine alten Ohren leider auch.
Wie kann man nun diesen vermeintlich klanglichen Unzulänglichkeiten begegnen, ohne sich in Lebensgefahr begeben zu müssen?
Kaufen Sie besser gleich das Model VR70E-2, das gegenüber der ersten Version deutlich verbessert wurde. Bei der aktuellen Version wurden beispielsweise hochwertigere Kondensatoren mit geänderten Kapazitäten zur Linearisierung des Frequenzganges und Verstärkungen in der Stromversorgung vorgenommen. In der Zeitschrift "Klang&Ton" fanden sich etliche Verbesserungsmaßnahmen für die erste Version (und einen erfahrenen Elektroniker), die allesamt bei der Entwicklung des Models E-2 Berücksichtigung fanden.
Wie jeder, der sich auf diese Seite verirrt hat weiß, ist das entscheidende Glied jeder Kette der Lautsprecher. Wenn der nichts taugt, muss man sich nicht wundern, wenn selbst die teuersten und vermeintlich besten Geräte-Komponenten zu großen Enttäuschungen führen. Eine Empfehlung abzugeben, ist so müßig wie nutzlos, hier sollte alleine der persönliche Geschmack (und der Geldbeutel) entscheiden.
Da alle im HiFi-Forum beschriebenen "Tuning-Maßnahmen" davon ausgehen, dass der VR70E im stand-alone-Betrieb, also letzlich als Endstufe mit regelbarem Eingang genutzt wird, stellt sich für mich die Frage, warum es bislang keine Empfehlungen zum Betrieb mit einem Vorverstärker gibt.
Puristen werden mich nun mit Eiern bewerfen wollen, letztlich geht es aber doch auch darum, beispielsweise seine geliebten Vinyl-Scheiben nach vielleicht jahrelanger Abstinenz mal wieder hören zu wollen. Ohne Phono-Vorverstärker wird daraus nichts. Also begibt sich der Purist auf die Suche nach einem hochwertigen und unter Umständen mehrere hundert Euro teurem High-End-Phono-Vorverstärker. Wer auf seine Schallplatten verzichten kann, greift zu Erweiterungsboxen, die den vorhandenen Eingang um bis zu drei weitere hochohmige Eingänge erweitern. Dagegen ist aus meiner Sicht eigentlich nichts einzuwenden. Derartige Eingangserweiterungen sind ab etwa 10.-€ zu haben.
Wie Sie der Startseite entnehmen konnten, bin ich ein leidenschaftlicher Anhänger der sogenannten "Vintage-Geräte", also Geräten, vorwiegend aus den guten 70ér-Jahren. Wie unschwer zu erkennen haben es mir die Receiver von Marantz besonders angetan.
Was liegt also näher, als die "Hochzeit" eines klassischen Marantz-Receivers mit einem modernen Röhrenverstärker?
Puristen werden nun wieder werfen wollen und die Frage stellen: " Was soll denn das? Ein Transistor-Receiver mit einer Röhren-Endstufe?"
Ja, warum denn nicht?!
Marantz 2238B als Vorverstärker mit gutem Phono-Eingang, Klangreglern und Tuner für Dynavox VR70 E-2?
Da ich glücklicherweise über einen kleinen Bestand an Vintage-Receivern aus dem Hause Marantz verfüge, stellte sich mir zunächst die Frage, welcher es denn sein sollte. Obwohl klanglich und von den Anschlußmöglichkeiten her überragend ausgestattet, schied der gute alte Marantz 2325 aus. Irgendwie konnte ich mich nicht dafür erwärmen, einen heute 700.-€ teuren Receiver an einem 400.-€ Röhrenverstärker zu betreiben. Meine Wahl fiel schliesslich auf den oben abgebildeten Marantz 2238B. Ein "kleiner" Marantz, der heutzutage im ungewarteten Zustand unter 200.-€ zu bekommen ist und eigentlich alles mitbringt, was (von mir) gewünscht ist:
Angefangen bei auftrennbaren Vor-und Endstufen, einem hochwertigen Phono-Eingang, einem Aux-Eingang (für den CD- oder DVD-Player) und einem Tonband-Anschluss (mit je einem Ein- und Ausgang pro Kanal) für die herrlichen Bandmaschinen aus einer fast vergessenen Zeit.
Zuguterletzt verfügt er über ein gutes Radio-Empfangsteil, ein gutes Klangregelwerk samt Loudness-Taste für Klanganpassungen, welches die weiter oben beschriebenen objektiv- oder subjektiv empfundenen (anatomisch bedingten) Bass- und Höhen-Unzulänglichkeiten anzupassen vermag.
Nun ging es an die Verkabelung der beiden Komponenten. Ich verhehle nicht eine Schwäche für die Bose 901 ab Serie III zu haben, auch wenn ich nun den Rest der HiFi-Gemeinde gegen mich aufgebracht haben dürfte. An einer Diskussion zum Thema Bose beteilige ich mich besser nicht, hierfür gibt es genügend qualifizierte Beiträge in den einschlägigen Foren. Mir gefällt aber der Klang! Ich verfüge noch über einen Satz 140 cm hoher Hornlautsprecher mit einer angekoppelten, 250 cm langen TML, die ich aus Gewichtsgründen zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Kombination testen werde.
Nachdem CD-Player (Toshiba mit altem CDM 1- Laufwerk), später wieder Marantz CD 73 (nach Reparatur) Marantz Plattenspieler 6300 mit Shure V15 Typ III und der Großspuler AKAI GX 620 angeschlossen waren, musste der Bose 901-Equalizer noch in den Signalweg zwischen Marantzvorverstärker-Ausgang und Dynavox VR70 E-2- Eingang eingeschliffen werden. Die Klangregler am Equalizer auf Linksanschlag (= geringste "Entzerrung"), alle Klangregler am Marantz auf "Mittelstellung (= "linear"), Loudness-Taste aus. Nun den Dynavox eingeschaltet und etwa 10 Minuten aufwärmen lassen. Die Ruheströme der EL 34 B Endstufenröhren hatte ich früher nach meinem Geschmack auf 350mV eingeregelt, da der Dynavox ab Werk mit ca. 270 mV ausgeliefert wurde, und mir der Klang auch etwas zu "dünn" und im Bass kraftlos erschien.
Nun nahte die "Stunde der Wahrheit". Hierzu bereitete ich den Empfang meines größten Kritikers, - meiner Frau - in unserem Wohnhörraum im Obergeschoss, vor. "Sorrow" von Pink Floyd sollte es sein und zwar in der kurzen Fassung mit stark mittenbetonter E-Gitarre. Diese Aufnahme hatte ich neben anderen Klassikern von Dire Straits, Tears For Fears, u.a. immer als Referenz für klangliche Umbauten hergenommen, da die Abmischung meinem persönlichen Geschmack sehr entgegen kommt. Bei den großen Marantz-Receivern fasziniert mich bei diesem Song immer wieder der unglaubliche Tiefgang und fühlbarer Druck der Bass-Läufe und des Schlagzeugs. Bislang fehlte mir beim Dynavox dieser Tiefgang und Druck. Der erste Hördurchgang verlief wie erwartet. Meine Frau und ich konnten zunächst keinen Unterschied zum stand-alone- Betrieb des Dynavox feststellen, - nicht schlecht, aber auch nicht mitreissend, wie vom großen Marantz gewohnt.
Dieser Eindruck änderte sich schlagartig, als ich vor Beginn des zweiten Durchgangs bei gleicher recht hoher Lautstärke die Loudness-Taste drückte.
Auch in den Augen (Ohren) meiner Frau. Bassschwäche und Höhenabfall gehören von nun an der Vergangenheit an.
Der Klang dieser Kombination ist einfach unglaublich dynamisch, druckvoll und dennoch sauber. Musik zum Anfassen, das hatte ich von diesem kleinen "China-Böller" mit seinen 2 x 35 (Röhren) Watt wirklich nicht erwartet.
Unsere Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen.
Diese "Tuning-Maßnahme" hat sich wirklich gelohnt. Ich kann nur jedem wärmstens empfehlen, dies auszuprobieren.